Orrú et al. A test for Creutzfeldt-Jakob disease using nasal brushings. N Engl J Med 2014;371(6):519-29. doi: 10.1056/NEJMoa1315200

Darstellung von A. Böcker


Hintergrund:
Die Creutzfeldt-Jakob Krankheit (CJK) beruht auf posttranslationalen Konformationsänderungen des endogenen Prionenproteins zu einem pathogenen, infektiösen Agens (PrPCJK). Der klinische Verlauf ist durch eine rasch progrediente Demenz mit neurologischer Begleitsymptomatik (Ataxie, Myoklonien, kortikale Sehstörung, Rigor, Pyramidenbahnzeichen) gekennzeichnet. Dabei bleibt die definitive Diagnose der CJK beim lebenden Patienten eine Herausforderung. Ein vor kurzem etablierter Test, der auf Amplifikation des pathologischen PRPCJK-Proteins (real-time quaking-induced conversion, RT-QuiC) aus dem Liquor beruht, besitzt eine Sensitivität von 80 – 90% für die Diagnose der CJK. In der vorgestellten Studie wird die Genauigkeit des RT-QuiC Assays mit Material aus nasalen Abstrichen des olfaktorischen Epithels in der Diagnostik der CJK untersucht.

Fragestellung: Können durch eine RT-QuiC Analyse von Abstrichen des olfaktorischen Epithels CJK-Patienten von Kontrollpatienten unterschieden werden?

Methode: Abstriche des olfaktorischen Epithels und Liquor cerebrospinalis wurden von Patienten mit und ohne CJK gesammelt. Die Abstriche des olfaktorischen Epithels wurden dabei ohne Sedierung und unter Sicht mit einem starren Rhinoskop gewonnen. Liquor und olfaktorisches Epithel wurden dann mit Hilfe des RT-QuiC Assays auf den Nachweis von PRPCJK untersucht.

Ergebnisse: RT-QuiC Assays der nasalen Abstriche waren in 30 von 31 Patienten mit CJK positiv (15 von 15 Patienten mit definitiver Diagnose einer sporadischen CJK, 13 von 14 Patienten mit wahrscheinlicher sporadischer CJK und 2 von 2 Patienten mit vererbter CJK). Keiner der Abstriche von Kontroll-Patienten (insgesamt 43 Patienten, davon 12 mit und 31 ohne eine andere neurologische Erkrankung) erbrachte ein positives Ergebnis. Dies entspricht einer Sensitivität von 97 % und einer Spezifität von 100 % für die Detektion der CJK.  Im Vergleich hatten RT-QuiC Assays des Liquor cerebrospinalis in der gleichen Gruppe von Patienten eine Sensitivität von 77 % (23 von 30 Patienten mit CJK) und ebenfalls eine Spezifität von 100 %. Das RT-QuiC Signal von Proben des oflaktorischen Sekrets stieg schneller an und erreichte eine höhere Stärke als das Signal von Liquor-Proben der gleichen Probanden.

Diskussion: Hohe Sensitivität und Spezifität der RT-QuiC Analyse von Abstrichen des olfaktorischen Epithels zeigen das Potential dieser Methode auf, bei einer definitiven Diagnosestellung der CJK bei lebenden Patienten zu helfen. Dabei scheint die Analyse von olfaktorischem Epithel der Untersuchung von Liquor cerebrospinalis überlegen zu sein. Ein weiterer Vorteil wäre die geringe Invasivität des Eingriffs zur Durchführung des nasalen Abstrichs. Dennoch sind weitere und größere Studien notwendig, um Sensitivität und Spezifität im klinischen Alltag zu evaluieren.

Kommentar des Autors: Der RT-QuiC-Assay zum Nachweis einer erhöhten Aggregationsneigung des Prionproteins scheint ein wertvolles zusätzliches Werkzeug in der Diagnostik der CJK darzustellen. Der Liquor-Assay findet in den aktuellen Leitlinien der DGN noch keine Erwähnung, wird von Speziallabors aber bereits für klinische Fragestellungen angeboten. Wie in dem zusammengefassten Artikel dargestellt ist eine Analyse des olfaktorischen Epithels einer Untersuchung des Liquors möglicherweise sogar überlegen. Eine interessante Fragestellung für zukünftige Studien könnte sein, wie früh PRPCJK im klinischen Verlauf der CJK detektiert werden kann.
Gleichzeitig werfen diese Erkenntnisse neue Fragen zur Biosicherheit auf. Die hohe Signalstärke des Prionenproteins im olfaktorischen Sekret könnte auf die Möglichkeit einer Übertragung durch Nasensekret hinweisen. Eine aerogene Übertragung der CJK scheint nach dem aktuellen Kenntnisstand durch epidemiologische Studien dabei nicht stattzufinden. Medizinische Instrumente, die über Kontakt mit der olfaktorischen Mukosa von CJK-Patienten mit PrPCJK kontaminiert wurden, könnten allerdings die Gefahr einer iatrogenen Übertragung bergen.


Weiterführende Links:

Originalartikel: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1315200
Übersichtsarbeit: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25923128

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