Henderson et al. Rivastigmine for gait stability in patients with Parkinson's disease (ReSPonD): a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 2 trial. Lancet Neurol (2016);15:249-58.

Darstellung von Dr. med. C. Doppler, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Köln


Hintergrund:
In der Regel steht beim Morbus Parkinson die Gangstörung im Vordergrund. Eine unter Umständen schwerwiegende Komplikation stellen Stürze durch Gangunsicherheit dar. Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem bei Morbus Parkinson vorliegenden cholinergen Defizit und dem Auftreten von Gangunsicherheit [1].

Fragestellung: Die vorliegende Studie untersucht den Einfluss des Acetylcholinesterase-Inhibitors Rivastigmin auf die Gangsicherheit bei Patienten mit Morbus Parkinson.

Methode: In die randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Phase-2-Studie (ReSPonD) wurden 130 Parkinson-Patienten (Hoehn & Yahr Stadien 2-3) eingeschlossen, die im Jahr zuvor mindestens einmal gestürzt waren, 18 Meter ohne Unterstützung gehen konnten, bislang noch nicht mit einem Acetylcholinesterase-Inhibitor behandelt wurden und nicht an Demenz litten. Die Hälfte der Patienten erhielt Rivastigmin, welches über 12 Wochen von 3 mg/d auf 12 mg/d aufdosiert wurde, die andere Hälfte ein Placebo mit einem vergleichbaren Dosierungsschema. Primärer Endpunkt war die Differenz der Schrittzeitvariabilität zwischen den beiden Gruppen nach 32 Wochen. Je höher die Schrittzeitvariabilität, umso unsicherer ist der Gang und umso höher das Sturzrisiko. Die Schrittzeitvariabilität wurde mit einem triaxialen Beschleunigungssensor in einem Gehtest über 18 Meter in drei verschiedenen Bedingungen gemessen: normales Gehen, Durchführung einer einfachen kognitiven Aufgabe (Wörter mit einem bestimmten Anfangsbuchstaben nennen) sowie Durchführung einer komplexen Aufgabe (im Wechsel Wörter mit zwei bestimmten Anfangsbuchstaben nennen) während des Gehens. Als sekundäre Endpunkte wurden u.a. die Anzahl der Stürze pro Monat, die Ganggeschwindigkeit, die Häufigkeit von Freezing, Maße zu Stimmung, Kognition und Lebensqualität sowie die benötigte L-Dopa-Dosis herangezogen. Es wurde eine Intention-to-treat-Analyse durchgeführt.

Ergebnisse: In die randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Phase-2-Studie (ReSPonD) wurden 130 Parkinson-Patienten (Hoehn & Yahr Stadien 2-3) eingeschlossen, die im Jahr zuvor mindestens einmal gestürzt waren, 18 Meter ohne Unterstützung gehen konnten, bislang noch nicht mit einem Acetylcholinesterase-Inhibitor behandelt wurden und nicht an Demenz litten. Die Hälfte der Patienten erhielt Rivastigmin, welches über 12 Wochen von 3 mg/d auf 12 mg/d aufdosiert wurde, die andere Hälfte ein Placebo mit einem vergleichbaren Dosierungsschema. Primärer Endpunkt war die Differenz der Schrittzeitvariabilität zwischen den beiden Gruppen nach 32 Wochen. Je höher die Schrittzeitvariabilität, umso unsicherer ist der Gang und umso höher das Sturzrisiko. Die Schrittzeitvariabilität wurde mit einem triaxialen Beschleunigungssensor in einem Gehtest über 18 Meter in drei verschiedenen Bedingungen gemessen: normales Gehen, Durchführung einer einfachen kognitiven Aufgabe (Wörter mit einem bestimmten Anfangsbuchstaben nennen) sowie Durchführung einer komplexen Aufgabe (im Wechsel Wörter mit zwei bestimmten Anfangsbuchstaben nennen) während des Gehens. Als sekundäre Endpunkte wurden u.a. die Anzahl der Stürze pro Monat, die Ganggeschwindigkeit, die Häufigkeit von Freezing, Maße zu Stimmung, Kognition und Lebensqualität sowie die benötigte L-Dopa-Dosis herangezogen. Es wurde eine Intention-to-treat-Analyse durchgeführt.

Fazit: Rivastigmin kann die Gangsicherheit bei Parkinson-Patienten verbessern und das Sturzrisiko senken. Zu beachten ist jedoch eine mitunter eingeschränkte Verträglichkeit des Medikaments mit Übelkeit und Erbrechen als unerwünschter Wirkung.

Kommentar des Autors: Rivastigmin kam im Rahmen der Behandlung des Morbus Parkinson bislang als etablierte und nebenwirkungsarme Behandlungsoption der Parkinson-Demenz zum Einsatz. Nachdem sich die Behandlung der Gangstörung bei Parkinson-Patienten bislang im Wesentlichen auf die Optimierung der medikamentösen Therapie der Erkrankung und die Anwendung von Physiotherapie konzentrierte, verfolgt diese Studie einen neuen Ansatz. Ein möglicher Wirkmechanismus ist die Verbesserung der Aufmerksamkeit zur Kompensation der motorischen Defizite. Allerdings zeigten sich in neuropsychologischen Tests keine Unterschiede bzgl. der kognitiven Fähigkeiten zwischen den Gruppen. Dies könnte  zum einen an einer zu geringen Power der Studie, zum anderen an einer nicht ausreichenden Trennschärfe der neuropsychologischen Tests im speziellen Einsatz bei Parkinson-Patienten gelegen haben. Auch stellt der primäre Endpunkt nur einen Surrogatmarker für den im Alltag relevanten Parameter - die tatsächliche Sturzhäufigkeit - dar. Dieser bleibt in Folgestudien zu untersuchen.

 

Weiterführende Literatur:

[1] Bohnen NI, Müller MLTM, Koeppe RA, et al. History of falls in Parkinson disease is associated with reduced cholinergic activity. Neurology 2009; 73: 1670–76.

Weiterführende Links:

Abstract zur Studie



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