4. Juni 2017 – Das Taschenbuch „Neurologische Notfälle“ der Autoren Helge Topka und Olaf Eberhardt, erschienen im Thieme-Verlag, bietet einen kurzen Überblick über die häufigen neurologischen Akut-Erkrankungen, denen der Kliniker insbesondere in der Notaufnahme begegnet.

Das 236 Seiten starke Büchlein hat ein handliches Format, ist jedoch leider knapp zu groß für die Kitteltasche. Der Inhalt ist in vier Teile gegliedert: Kapitel 1 umfasst neurologische Leitsymptome wie beispielsweise Schwindel, Sehstörungen oder akute Paresen. Kapitel 2 stellt die Therapieschemata akut-neurologischer Erkrankungen dar. Kapitel 3 gibt einen Überblick über internistische Erkrankungen, denen die Neurologin / der Neurologe im Klinikalltag gewachsen sein sollte (bspw. hypertensiver Notfall, diabetische Engleistung, akute Herzrhythmusstörungen etc.). Im 4. Kapitel werden Skalen und Schemata aufgeführt.

Die Im Buch behandelten Themen haben hohe klinische Relevanz und insbesondere die genauen Angaben hinsichtlich Dosierungen und Differentialdiagnosen können eine wichtige Hilfe bei der Diagnostik und Therapie bieten. Auch Hinweise auf funktionelle/psychogene Störungen sowie Tipps zum Umgang mit derartigen Phänomenen werden – besonders für Ärztinnen und Ärzte zu Beginn der neurologischen Weiterbildung – sehr hilfreich sein. Inhaltlich orientieren sich die Autoren an den aktuellen Leitlinien (z.B. der DGN) sowie der gängigen Literatur – die stets zitiert wird. Hinweise z.B. auf die Fahreignung werden nicht ausgelassen – könnten jedoch noch einmal in Kapitel 4, in Form einer Tabelle, übersichtlich dargestellt werden.

Die anfängliche Gliederung nach akut-neurologischen Leitsymptomen ist sinnvoll und verständlich. Es wäre noch schöner gewesen, hier auch direkt die Therapie anzuschließen – die jedoch erst im nächsten Kapitel folgt. So schlägt man beispielsweise das Leitsymptom „Akuter Schwindel“ nach, informiert sich über Diagnostik und Differentialdiagnosen – um dann im nächsten Kapitel nach der Therapie suchen zu müssen. Gleiches gilt für Erkrankungen wie den akuten Kopfschmerz oder Vigilanzminderungen.

Die Informationen sind in den drei ersten Kapiteln des Buches stets in Stichpunkten formuliert, was einen schnellen Überblick gewährleisten soll. Sehr häufig sind die Inhalte jedoch zwar stichpunktartig aufgelistet, dann aber in vollen Sätzen ausformuliert – was letztlich die Übersicht wieder erschwert. Hier wäre eine Hervorhebung der relevanten Inhalte (z.B. durch mehr Fettdruck) sinnvoll. Auch eine grafisch bessere „Sortierung“ von RedFlags würde dem Buch guttun. Stellenweise werden Abkürzungen verwendet (Bsp. GHB-Intoxikation), die nicht erklärt sind.

Insgesamt hat das Buch eine hohe Relevanz und die Inhalte orientieren sich am „wahren“ klinischen Alltag. Man merkt, dass in der neurologischen Notfallmedizin erfahrene Kliniker die Themen zusammengetragen haben. Alle wesentlichen Erkrankungen sind aktuell und auf den Punkt dargestellt. Die Aufteilung der Kapitel sowie die grafische Darstellung sind ausbaufähig und erschweren ein schnelles Nachschlagen in einer Notfallsituation.

Dr. med. Anne-Sophie Biesalski, Assistenzärztin. Bochum, Universität Witten/Herdecke

Topka H. R., Eberhardt O. Neurologische Notfälle: Thieme, 2017.

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