15. November 2017 Wie läuft es in der neurologischen Weiterbildung? Die Jungen Neurologen haben einen Blick in die Kliniken geworfen und die Ergebnisse der Umfrage auf dem Jahreskongress der DGN in Leipzig präsentiert.

Im Frühjahr 2017 waren Kolleginnen und Kollegen in Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie eingeladen, zu ihrer Arbeitszufriedenheit und zur Struktur der Weiterbildung in ihrer Klinik Auskunft zu geben. Die Ergebnisse der bundesweiten Online-Befragung und konkrete Verbesserungsvorschläge präsentierten die Jungen Neurologen am 20.September 2017 auf dem Jahreskongress der DGN in Leipzig.

Insgesamt 953 Weiterzubildende haben an der Erhebung teilgenommen, die Anfang 2017 für zwölf Wochen online verfügbar war. Die Fragen waren anhand von Hypothesen entwickelt und die Ergebnisse spezifisch ausgewertet worden. Die Befragung erfolgte in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).
Fast jeder zweite Teilnehmer gab an, dass mangelnde Zeit, hohe Arbeitsbelastung oder der spürbare wirtschaftliche Druck sich negativ auf die neurologische Weiterbildung auswirken. Außerdem beklagten Assistenzärztinnen und -ärzte fehlende Supervision, mangelndes Feedback und geringe didaktische Kompetenz der Lehrenden.
Ziel der Studie sei jedoch nicht gewesen, erneut bekannte Probleme zu benennen, betonen die Jungen Neurologen, sondern beispielhafte Modelle für eine gute neurologische Weiterbildung zu erkennen und Optimierungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Ideen und Vorschläge

Die Referentinnen erläuterten die Lösungsmöglichkeiten und Ideen schließlich anhand verschiedener Kategorien. Zum einen wurden organisatorische Veränderungen benannt, wie das Erstellen von verbindlichen Rotationsplänen, die Umstrukturierung der Einarbeitung oder
die Einführung eines Mentorenprogramms. Daneben stellten sie explizite Forderungen an die Geschäftsführungen der Kliniken: eine Reduktion der administrativen Tätigkeiten, das Bereitstellen von Übungsgeräten in der Funktionsdiagnostik oder die Digitalisierung von Arbeitsverläufen – um nur einige zu nennen.
Zusätzlich hatte die Arbeitsgruppe der Jungen Neurologen Anregungen für die Weiterbildungsbefugten entwickelt. Unter der Überschrift „Führen – Fordern – Fördern“ hatten sie Ideen zu einer schrittweisen und an den Fähigkeiten der Berufseinsteiger orientierten Weiterbildung gesammelt.
Aber auch die jungen Kolleginnen und Kollegen in der Weiterbildung aufrechtzuerhalten und die qualitativ hochwertige Patientenversorgung zu sichern“, fordern die Jungen Neurologen.

„MOKKA“–ein beispielhaftes Modell 

Passend zu diesem Plädoyer, konnte Dr. Paul Schmölzer, Assistenzarzt am städtischen Klinikum Karlsruhe, vom Weiterbildungsmodell „MOKKA“ berichten. Die von den jungen Ärztinnen und Ärzten der Klinik selbstständig entwickelte innerklinische Fortbildung soll das Erlernen der Funktionsdiagnostik vereinfachen und die Jungmediziner in  die Rolle von Lehrenden bringen. Bereits nach einem halben Jahr hätten seine Kolleginnen und Kollegen deutlich an Sicherheit in der Diagnostik gewonnen, konnte Schmölzer berichten.

Kompetenzerwerb statt Zeiten absitzen

Im Symposium der Jungen Neurologen wurde die Weiterbildung von verschiedenen Seiten beleuchtet: Prof. Gereon Fink, DGN-Präsident und langjähriger Vorsitzender der Weiterbildungskommission, berichtete von den Herausforderungen der Weiterbildung sowie der aktuellen Arbeit an einer neuen Musterweiterbildungsordnung (MWBO). Künftig solle der Erwerb von Kompetenzen in den Fokus rücken, statt wie bisher insbesondere auf Zeiten und Untersuchungszahlen hinzuarbeiten. Wie dies umgesetzt und letztlich auch geprüft werden soll, diskutiert aktuell die Bundesärztekammer.

Frühere Umfragen

Dr. Christiana Franke berichtete über die im Jahr 2013 durchgeführte Befragung unter neurologischen Chefärztinnen und Chefärzten, die die Jungen Neurologen in Zusammenarbeit mit Prof. Reinhard Kiefer aus Rotenburg ebenfalls initiiert hatten. Damals war insgesamt ein positives Bild der neurologischen Weiterbildung entstanden.

Dr. Anne Bingel berichtete als Vertreterin der Jungen Internisten. Sie stellte die im Jahr 2015 durchgeführte Befragung unter Assistenzärzten der Inneren Medizin vor und gab so einen Einblick in die Weiterbildungssituation eines anderen Fachbereichs.

Dr. Janina Behncke stellte zudem vorangegangene Studien zur Arbeitssituation vor, die in den vergangenen Jahren von anderen Fachgesellschaften, der BÄK/ LÄK, dem Marburger Bund sowie dem Hartmannbund, durchgeführt wurden. Allen Studien war eines gemein: Die zunehmende Arbeitsverdichtung, Personalmangel und der spürbare ökonomische Druck wirken sich in allen Fachbereichen negativ auf die Zufriedenheit junger Medizinerinnen und Mediziner aus. Hohes Arbeitsaufkommen und Überstunden, aber auch das Bestreben junger Ärzte, Familie und Berufsleben zu vereinbaren, beschränken die Zeit für eine fundierte klinische Weiterbildung.

Anne-Sophie Biesalski

 

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