Viele Wege zum Facharzt: Junge Neurologen wünschen sich mehr Auswahlmöglichkeiten in ihrer Weiterbildung (c) fotolia/WoGi

20. Dezember 2017 – Die fachlichen Anforderungen in der Neurologie nehmen zu. Die Jungen Neurologen fordern mehr Weiterbildungsmöglichkeiten, um die Qualität der neurologischen Patientenversorgung auch in Zukunft zu sichern.

Die Neurologie ist mit ihrem breiten Spektrum verschiedener Erkrankungen seit jeher ein interdisziplinäres Fach, in dem der Austausch mit anderen Fachrichtungen unerlässlich ist. Bereits 1994 wurde der sogenannte Nervenarzt von dem Facharzt für Neurologie und dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie abgelöst, um den zunehmenden Spezialisierungen beider Fächer gerecht zu werden. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die Neurologie weiter erheblich gewandelt: Hochspezialisierte Diagnostik und vielfältige Therapieoptionen ebneten den Weg zu einem zunehmend akutmedizinischen Fach. Daneben steigt im Rahmen der demographischen Entwicklung kontinuierlich die Anzahl geriatrischer Patienten mit neurodegenerativen und/oder neurovaskulären Erkrankungen.

Hierdurch haben auch die fachlichen Anforderungen der in der alltäglichen Patientenversorgung neurologisch tätigen Ärztinnen und Ärzte erheblich zugenommen. Profunde Kenntnisse internistischer und geriatrischer Komorbiditäten sowie eine solide Ausbildung in den Bereichen der Notfallmedizin und Neuroradiologie sollten in der neurologischen Weiterbildung künftig einen festen Platz bekommen. So kann die Patientenversorgung verbessert und auch ökonomischer gestaltet werden.

Ebenso stellt der Austausch von Neurologie und Psychiatrie/Psychosomatik einen wichtigen Teil in der neurologischen Weiterbildung dar. Mitunter eng verzahnte Krankheitsbilder, psychiatrische und psychosomatische Komplikationen neurologischer Erkrankungen und der Umgang mit spezifischen Medikamenten sind nur einige relevante Beispiele hierfür.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt beinhaltet die 5-jährige Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie – neben einer 6-monatigen Weiterbildung in der neurologischen Intensivmedizin – ein Pflichtjahr in der Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, und/oder Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie. Zudem ist es möglich, bis zu 12 Monate in der Inneren Medizin, Allgemeinmedizin, Anatomie, Neurochirurgie, Neuropathologie, Neuroradiologie und/oder Physiologie abzuleisten.
Wird auch dieses 12-monatige Wahljahr in Anspruch genommen, führt diese Regelung zu einer Verkürzung der rein neurologischen Weiterbildung auf minimal 36 Monate, was dem Umfang des Faches nicht gerecht wird.

Um die hohe Qualität der neurologischen Patientenversorgung langfristig zu sichern, ist es essentiell, die Weiterbildung den Entwicklungen unseres Faches anzupassen.
Es erscheint daher sinnvoll, die rein neurologische Weiterbildung auf 42 Monate in der neurologischen Patientenversorgung (stationär/ambulant) + min. 6 Monate in der neurologischen Intensivmedizin festzusetzen. Ein zusätzliches Wahlpflichtjahr sollte nicht einzig in der Psychiatrie/Psychosomatik abgeleistet werden können, sondern auch andere – für die neurologische Patientenversorgung relevanten – Bereiche umfassen.

Die Jungen Neurologen erachten es daher für sinnvoll, die Auswahlmöglichkeiten im Wahlpflichtjahr auf die Bereiche

  • Innere Medizin
  • Anästhesiologie, Intensivmedizin und Notfallmedizin
  • Neurochirurgie
  • Neuroradiologie
  • Allgemeinmedizin
  • Neuropathologie
  • Psychiatrie und Psychotherapie
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
  • Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

zu erweitern.

Ziel dieser Anpassung ist es, den Weiterbildungsassistentinnen und -assistenten die Möglichkeit einer individuellen Schwerpunktsetzung und Qualifizierung bereits in ihrer neurologischen Ausbildung geben zu können.

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