Prof. Dr. med. Christine Klein

Familienplanung, Kinder kriegen während des Medizinstudiums oder gar in der Facharztausbildung? Das wollen sich viele angehende Ärztinnen lieber erst gar nicht vorstellen. Der Mediziner-Alltag ist stressig genug, da bleibt Eltern wenig Zeit für ihren Nachwuchs. Christine Klein (40), forschende Professorin für Neurologie am Universitätsklinikum Lübeck weiß es besser: Der Spagat zwischen Wickeltisch und Forschungslabor kann gelingen!

 
„Auch wenn es zunächst sehr provokant klingt: Eine Medizinerausbildung ist kein Grund, kein Kind zu bekommen“, sagt Christine Klein. Den idealen Zeitpunkt für die Familienplanung gibt es ohnehin nicht. Zweifellos ist es eine große Herausforderung, während der Facharztausbildung Mutter zu werden, „aber wenn man weiß, wo man später hin will“, ist das zu schaffen. Wo sie hinwollte, wusste Christine Klein schon während ihres Studiums: In die Forschung. Deshalb widmete sie sich auch während der Facharztausbildung Neurologie bereits intensiv der Neurogenetik. Als ihr erstes Kind im Jahr 2000 zur Welt kam, hatte sie bereits ihre Habilitation in der Tasche. „Der Forschungsaspekt war mir immer sehr wichtig“, so Christine Klein, „das hatte für mich Vorrang vor dem zügigen Abschluss der Facharztausbildung.“

Ehemann, Oma, Opa, Kindermädchen und Krippe – dann klappt’s

Arbeiten mit Kind – da ist natürlich Hilfe von außen wichtig. „Ich habe mir ein sehr dichtes Betreuungsnetz geknüpft“, so Christine Klein. Der Ehemann, Großeltern, die Kinderkrippe und auch ein Kindermädchen sprangen ein, wenn die Neurologin in der Klinik war. „Es gehört natürlich die Bereitschaft dazu, sein Kind an andere abzugeben – auch wenn es nur einige Stunden am Tag sind“, so Christine Klein. „Aber ich wollte am Ball bleiben und deswegen war diese Lösung für mich in Ordnung. Als ihr zweites Kind, eine Mädchen,  2002 zur Welt kam, trennten sie noch zwei Jahre von der Facharztprüfung. Insgesamt dauerte Kleins Facharztausbildung 9 Jahre. „Es hat mich nie gestört, dass ich für die Facharztausbildung länger gebraucht habe, denn durch meine Stipendien war ich erstens gut beschäftigt und zweitens finanziell abgesichert.“ Auch von einem Auslandaufenthalt im Rahmen ihres Stipendiums ließ sich die zweifache Mutter nicht abschrecken. Insgesamt fast zwei Jahre verbrachte Klein mit ihrem Mann (Endokrinologe in Klinik und Forschung) und den beiden Kindern in Toronto/Kanada. „Unsere Kinder waren damals noch sehr klein. Da ging das relativ problemlos“, erinnert sich Christine Klein. „Später wäre es sicher nicht so einfach gewesen, die Kinder aus ihrer gewohnten Umgebung in ein völlig neues Umfeld zu verpflanzen.“


Dass man mehr Ehrgeiz und auch mehr Disziplin aufbringen muss, wenn man die Kombination Kinder und Job gut bewerkstelligen will, liegt auf der Hand. Und auch das Wohlwollen des Chefs oder der Chefin können sich als durchaus hilfreich erweisen. „Mein Chef, Professor Kömpf, hat mich sehr unterstützt“, erzählt Klein. Das hat sicher zum guten Funktionieren beigetragen.

Lieber wenig aber dafür kontinuierlich arbeiten

Angehenden Ärztinnen, die Nachwuchs erwarten, rät Klein grundsätzlich dazu, nach der Geburt des Kindes beruflich am Ball zu bleiben: „Lieber wenig aber dafür kontinuierlich arbeiten, als nach einer langen Baby-Pause wieder voll einzusteigen! Die Gefahr, nach einer längeren Pause nicht wieder reinzukommen, ist einfach da.“

100317 Christine Klein und team 300

Inzwischen gebe es an vielen Kliniken sehr gute Teilzeit-Modelle. Ärztinnen, die die erste Phase ihrer Familienplanung schon erfolgreich hinter sich haben, sind für viele Chefärzte sehr interessant. Und sie sind meistens sehr flexibel einsetzbar. Klein: „Wir haben zum Beispiel Teilzeitkräfte, die 50 Prozent arbeiten, manche arbeiten 35, andere am Wochenende. Das ist sehr individuell geregelt, garantiert aber eine sehr effiziente und gut strukturierte Arbeitsweise. Es ist alles möglich – wenn man sich als Neurologin entsprechend durchsetzt. Kind und Karriere sind kein Widerspruch.


Prof. Dr. med. Christine Klein befasst sich als Leiterin der Sektion für Klinische und Molekulare Neurogenetik an der Klinik für Neurologie der Universität zu Lübeck mit der Erforschung erblicher Hintergründe neurologischer Erkrankungen. Klinischer und Forschungsschwerpunkt sind Bewegungsstörungen
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